Wir sind immer weniger allein. Und das tut uns nicht gut. Auf spiritueller Ebenen nicht, auf psychischer und kognitiver Ebene nicht und auch nicht auf kollektiver Ebene. Warum das so ist, was die Vorzüge des Alleinseins sind und wie du diese kultivieren kannst, darum geht es in diesem Blogbeitrag. 

Konstante Stimulation hat Nebeneffekte. Am Beispiel von Dopamin: dieser Botenstoff wird freigesetzt wenn wir gewisse Dinge tun – zum Beispiel Essen, Sex, Schlafen – oder erreichen – wie Erfolg, Macht, sozialen Zuspruch. Da dies für uns angenehm ist, versuchen wir meistens die Handlungen, die dazu geführt haben, zu wiederholen. Wenn die Abstände zu kurz werden, führt dies zu einem Gewöhnungseffekt – Habituation genannt – wodurch wir immer stärkere Stimuli brauchen, um die gleiche Zufriedenheit erleben zu können. (Dieses Modell erklärt unter anderem warum wir immer mehr haben und gleichzeitig nicht immer glücklicher werden). Außerdem beginnen dann auch Fokus, Konzentration und Kreativität zu leiden. Mehr dazu im unten verlinkten Video: Fokus und Konzentration: Dopamin Fasten

Kurz zusammengefasst: Wenn wir Dopamin Fasten dann füllen wir unsere Dopaminspeicher wieder auf. Das führt, unter anderem, zu mehr Lebensfreude, Inspiration, Fokus und Konzentration. Alleinsein ist eine wirkungsvolle Methode um genau das zu erreichen. 

Alleinsein ist wesentlich für ein erfülltes Leben. Und es ist wesentlich um in Verbundenheit mit sich aber auch in Verbundenheit mit der Welt zu sein. Alleine sein und sich einsam zu fühlen sind zwei unterschiedliche Dinge.

Alleinsein ist eine subjektiver Zustand, in dem wir weitgehend ohne Input von anderen sind. (Kethledge & Erwin in „Lead Yourself First“)

Alleinsein heisst nicht unbedingt physisch weit weg von anderen zu sein. Es ist ein innerer Zustand, im Geist und im Herzen. Wir ruhen in – und mit uns. Aber nicht einfach in selbstbezogenen Art, sondern gleichzeitig ganz in der Welt. Auch inmitten eines überfüllten Cafés können wir diese Art der freudvollen Einsamkeit leben.

Es mag zuerst vielleicht widersprüchlich klingen, dass Alleinsein uns mehr in Verbindung zur Welt bringen kann. Irgendwie bemerkenswert ist, dass das Wort Alleinsein, gleichzeitig All-Eins-Sein in sich birgt. Ich bin sicher viele kennen diese Erfahrung: Dass Verbundenheit zu sich selbst, gleichzeitig zu einer tieferen Verbundenheit mit der Welt führt. Und dass dies eine überaus freudvolle Erfahrung von Alleinsein ist.

Dazu möchte ich bemerken: Freude – Joy auf Englisch, Gaudium im Lateinischen – stammt von der selben Sanskrit-Wurzel wie Yoga – nämlich yuj – ab, was im allgemeinem mit „Vereinigung der individuellen Seele mit dem universellen Bewusstsein“ übersetzt wird.

All-Eins-Sein ist ein freudvoller Zustand.

Wenn wir alleine sind, auch inmitten von Menschen, können wir unsere Verwundbarkeit oft stärker spüren. Wir können erkennen, dass wir alle gemeinsam hier drin stecken, in dieser Welt, und wie sehr wir auf einander angewiesen sind. Im  Alleinsein können wir oft die atemberaubende Schönheit des Menschseins klarer sehen und unsere Herzen brechen schier auf davon. Dadurch werden wir authentischer, demütiger, liebevoller und mitfühlender. Gleichzeitig macht uns das Alleinsein unabhängiger, vor allem emotional. Unabhängiger davon zu gefallen. Und es macht uns selbstbewusster, weil wir Dinge eben alleine bewältigen.

Um diese Seinsweise zu kultivieren, ist es notwendig regelmäßig Zeit ganz für sich selbst zu verbringen. Das kann sehr gut völlig planlos gehen. Falls das bei jemandem etwas Unbehagen erzeugt, hier ein paar einfache Anregungen um die ersten Schritte ins Alleinsein zu erleichtern: 

 

  1. Was wirst du machen? Überleg dir vorher was du machen wirst. Am besten etwas das dir Freude macht.
  2. Wie lange wirst du Alleinsein? Du kannst auch den Zeitraum in dem du alleine sein wirst vorher bestimmen und danach etwas schönes geselliges planen. Einfach um die Erfahrung des Alleinsein zu erleichtern.
  3. Smartphone abdrehen oder nicht mitnehmen. Es geht wirklich ums Alleinsein.
  4. Es kann empfehlenswert sein etwas mit körperlicher Aktivität zu unternehmen. Rumhängen kann – kann (!) – dazu führen, dass wir uns eher von uns selbst und der Welt disconnecten. Spazieren, aber auch kreativer Ausdruck, Musik machen, Malen, usw. können sich gut eignen um ins Alleinsein reinzukommen. Eines meiner liebsten Alleinsein-Rituale ist in die Sauna gehen.
  5. Heiße alles willkommen, was kommt. Emotionen, Unbehagen und auch Langeweile! Genau hier liegt eine der heilsamsten Wirkungen des Alleinseins: Es können sich Dinge zeigen, die noch nicht verdaut oder abgeschlossen sind. Gefühle die wir in der Geschwindigkeit der Anforderungen des Alltags weggesteckt haben. Und Langeweile – oh Langeweile ist überhaupt so gesund! Hier geht es zu meinem Blogbeitrag dazu: Routine, Ritual & Monotonie – oder das geheime Potential der Langeweile.

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