Über das neue Buch von Charles Eisenstein, Autor von u. a. „Die schönere Welt, die unser Herz kennt, ist möglich“.

Ein inspirierendes Buch. Auch für alle die mit Tiefenökologie, Gaia-Hypothese und Ähnlichem vertraut sind. Irgendwie ein längst überfälliges Buch. Eisensteins radikale Ansätze sind belebend und befreiend. Zentraler Punkt des Buches ist sein Hinweis, dass wir uns eigentlich permanent in einer Kriegs-Denke (mentality of war) befinden und daher immer als erstes nach einem Gegner Ausschau halten. Dies stellt aber eine nicht zulässige Vereinfachung der Welt dar, die es uns unmöglich macht, die gegenwärtige Krise tatsächlich anzugehen, vor allem aus dem Grund, weil sie aus diesen Denkmustern entstanden ist.

Außerdem (und das ist wahrscheinlich das radikalste an diesem Buch) stellt er die gängige Argumentation in Bezug auf den Klimawandel grundsätzlich in Frage. Er schreibt von einem Pakt mit dem Teufel, wenn UmweltschützerInnen sich nur noch auf quantitative Argumente in Bezug auf den Klimawandel – also Gasemissionen usw. – beziehen und dabei die qualitativen Aspekt vernachlässigbar werden. Der Versuch „den Gegner mit den eigenen Waffen zu schlagen“ (!) – also quantitative und ökonomisch-utilitaristische Argumente vor zu schieben, scheint nämlich nicht zu funktionieren: wenig wurde in den letzen Jahrzehnten damit erreicht, schon gar kein Paradigmenwechsel. Und die immer stärker werdende Angstmache, hat große Teile der Bevölkerung eher abstumpfen lassen, als sie zu aktivieren.

Statt dessen empfiehlt Eisenstein, dass wir uns wieder auf die Liebe zum Leben, zur Welt und allen ihren Wesen besinnen und in diesem Sinne auch wieder stärker auf den Schutz von lokalen Ökosystemen verlegen. Wasser, Böden, Wälder usw. – je intakter die einzelnen Teile von Gaia, so seine gut und breit begründetet Argumentation, desto resilienter, auch gegen den Klimawandel, der ganze Planet mit allen seinen BewohnerInnen.

Das Buch ist sehr gut und detailliert recherchiert – Charles Eisenstein begibt sich sich z. B. tief in die Debatte zwischen „Klima-SkeptikerInnen“ und den VertreterInnen des anerkannten „Klimawandel-Paradigmas“ hinein und nennt einige Blogs, Namen und andere Quellen, damit die interessierte Leserin sich selbst ein Bild machen kann.  Es ist in relativ anspruchsvollem Englisch geschrieben und zum gegenwärtigen Zeitpunkt konnte ich keine geplantes Erscheinungsdatum einer deutschen Version finden.

Was mich bei der Lektüre fasziniert, ist dass der Text fast fühlbar ist… die Worte gehen tiefer, was mir den Eindruck vermittelt, dass sie von einem Ort kommen, der jenseits des intellektuellen Verständnisses liegt. Ich bin sehr dankbar für dieses Buch und sehr inspiriert davon!

Charles Eisenstein, Climate – A New Story, North Atlantik Books, 2018.

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