Es ist eigentlich selbstverständlich, dass ich jedes Buch, das ich hier vorstelle sehr lesenswert finde. Auch dieses Buch, sehr lesenswert! Für mich kein Buch zum Durchlesen. Bei einigen Kapiteln bin ich länger verweilt oder besser manche Kapitel haben mich durchdrungen, ganz im Sinne der erotischen Ökologie, haben mich berührt und verändert und ich habe sie einige Male gelesen und will sie noch öfter lesen.

Besonders stark und bedeutsam finde ich das der Biologe und Philosoph Andreas Weber den Tod als zentralen Aspekt des Lebens immer einbezieht und betont, dass Lebendigkeit nur mit dem Bewusstsein um die Endlichkeit und den Tod gelingen kann. Ja „dass der so allgegenwärtige Glaube daran, sich auf eine sichere Seite retten zu können, die schmerzlichen Widerstände endlich einmal ganz auszubügeln, uns somit unserer Lebendigkeit beraubt.“ Und dass „eine Kultur des Lebens in immer wieder neuer schöpferischer Freiheit besteht angesichts einer unausweichlichen Notwendigkeit zu sterben, um als fühlende, an die Regeln ihres biologischen Leibes gebundene Körper die Welt miteinander zu teilen.“ (Wer da weiter lesen will, die Seite ist unten abgebildet).

Und weil man über gute Werke (aller Art) nicht viel schreiben kann, was ihnen gerecht wird, hier einfach ein paar Auszüge… Die dem ganzen Buch auch nicht gerecht werden merke ich, weil es einen eben durchdringt, ich vermute jede und jeden in unterschiedlicher Weise.

„Der materiellen Welt wohnt die Tendenz inne, sich am Abgrund des Scheiterns beständig zu neuen, kreativen Gestalten zu organisieren. Sie könnte in den Wärmetod sinken, stattdessen aber erfindet sie stets mehr Komplikationen und verspielte Arabesken: Energie verklumpt zu Atomen, Atome finden sich zu Molekülen, Moleküle sammeln sich zu Reaktionskreisläufen, und diese kapseln sich als lebende Zellen gegen jene Umwelt ab, die sie hervorgebracht hat.“ S. 34

„… Darum ist das Leben so leicht zu zerstören. Es trägt den Tod, dem man nur die Tür öffnen braucht bereits in sich, ist ein feines Gewebe aus Begehren nach vollkommen zweckloser, unbeständiger Einzigartigkeit. Weil aber diese Sehnsucht jeden Schritt leitet, mit dem der Stoff sich verwandelt, mit dem sich die Atome bewegen, ist sie das unzerstörbare Grundmuster, aus dem alle Form quillt. Das Gute siegt, sozusagen, aber es siegt auf einer so basalen Ebene, dass man eine ganze Menge Geduld mit ihm haben muss.“ S. 78

„Nicht „die Materie“ oder „der Geist“, nicht „die Natur“ oder „die Kultur“, „die Körpermachiene“ oder „die Sprache“ sind die einander ausschließenden, allem zugrunde liegenden Ebenen der Wirklichkeit, auf die eine gute Wissenschaft alles Übrige reduzieren müsste, um es zu verstehen. Die fundamentale Realität ist die schöpferische Wildheit, in der sich alles durchdringt, verwandelt, aus der heraus es zum Leben drängt und den Tod mit sich trägt.“ S. 130

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